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DR 17 Archiv Parzellenprognosen

DR 17 Archiv Parzellenprognosen

Text: Rafik Will

Radio machen und Radio hören, Arbeit im Garten und Erholung im Garten – was kommt bei einer Kombination dieser Komponenten zum „Radiogärtnern“ heraus? Dieser Frage widmete sich die temporäre Sendestation Datscha Radio. Im Sommer 2017 blühte sie am Stadtrand von Berlin für fünf Tage wieder auf. Eines wurde dabei klar: die kraftvolle Symbiose sprengte den Rahmen, den Radio und Garten jeweils für sich haben.

Kein schallisoliertes Sendestudio in einem pförtnerbewachten Prachtbau fand man hier vor, sondern eine gemütliche Datscha, die das Mikro nicht nur für geladene Gäste, sondern auch für Überraschungsbesucher öffnete. Und das waren nicht nur internationale Klangartisten oder Nachbarn aus der Gartensiedlung, sondern auch die singfreudigen Vögel aus der Gegend und mitunter sogar Pflanzen. Denn auch Kartoffeln oder Pfingstrosen können sich äußern. Nicht über Sprache, aber über andere, elektrische oder duftende Wege. Kommunikation mal anders.

Ein wenig fühlte man sich bei diesen wundersamen  Entdeckungen an die „Pherinfon”-Netze aus Dietmar Daths Science-Fiction-Roman „Die Abschaffung der Arten“ erinnert, in dem die Nachfahren der Menschen sich über ein Informationssystem auf dem Laufenden halten, das auf speziell designten Duftmolekülen basiert. Die Gente können bei Dath einfach erschnuppern, was gerade so abgeht. Und die Pflanzenwelt setzt diese Science-Fiction heute schon um! Ist Datscha Radio17  also auch als futuristische Übersetzungsmaschine für die Verständigung mit der Pflanzenwelt zu sehen, die für einen Durchbruch in den Mainstream ihrer Zeit einfach zu weit voraus ist? Warum nicht!

Kommunikation war ein wichtiges Stichwort beim gesamten Datscha Radio. Denn hier ging es nicht nur darum, möglichst viele Personen für das eigene Programm zu interessieren. Auch die kommunikative Interaktion mit dem eigenen Publikum sowie mit dem eigenen Produktionsort, dem Biotop des Gartens, spielten eine wesentliche Rolle. Was die gesellschaftliche Rolle des Gartens heute ist und künftig sein kann, auch dies wurde in verschiedenen Diskussionsrunden lebhaft erörtert.

Aber auch als akustische Galerie gab Datscha Radio eine hervorragende Figur ab. Wer zu Besuch in diese offene Gartengesellschaft kam, konnte Lyriklesungen unterm honiggelben Mond lauschen, Livekonzerten mit Grillenbegleitung beiwohnen oder die verschiedenen, beinahe vom ganzen Globus übermittelten Gastbeiträge bei einem Glas Apfelwein auf sich wirken lassen.

Fazit: Das Konzept „Radiogärtnern“ überzeugt. Der Garten wird von der abgeschotteten Parzelle, in der ein Alleinherrscher über Wohl und Weh der Pflanzen entscheidet zu einer echten Begegnungsstätte für diverse Lebensformen. Eine solche Politik der offenen Grenzen ist praktisch gelebte Utopie in Zeiten zunehmender Abschottungstendenzen und ein echter Lichtblick. Und das Radio wird vom Einbahnstraßen-Medium zur beteiligungsgeprägten Medienplattform. Sogar das Hören selbst wird bei Datscha Radio17  nicht wie sonst beim Hörfunk nur am Frühstückstisch in den eigenen vier Wänden vollzogen oder im Auto. Also entweder alleine oder in der vertrauten, aber geschlossenen Gesellschaft von Familie, Freunden oder Bekannten. Beispielhaft dafür stehen gartenbasierte Hörergruppen, die sich an verschiedenen Orten zusammenfanden.

Nur ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Die kurze fünftägige Blühdauer von Datscha Radio17. Aber wie eine Staude, die nach dem Blühen überwintert, wird bestimmt auch Datscha Radio in einem kommenden Sommer wieder seine Blüten treiben und als seltenes Gewächs die Radiolandschaft erhellen.

 

 

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Text: Gabi Schaffner

Wenn wir den Kopf in den Nacken legen, um den Himmel zu betrachten, tun wir dies verschiedener Gründe wegen. Sterne zählen, das Blau durchdringen, den Wolken entgegen träumen. Gärtner und Gärtnerinnen hingegen schauen gern nach dem Wetter. In den Aktionen und Passionen der Wetterprognosen schwingt zugleich der Traum einer verlässlich vorhersagbaren Zukunft mit. Warum auch nicht: Die Welt besteht aus Schwingungen. Und also auch aus Radio…

Unter dem Motto „Plots & Prophecies – Parzellenprognosen“ sendete Datscha Radio vom 25. – 29. August 2017 24 Stunden täglich direkt aus einem Berliner Schrebergarten in die Welt. Der Prozess des Radiomachens – sonst eher eine verborgene Angelegenheit – wurde im Wintergarten der Datscha im wahrsten Sinn des Wortes transparent und lud zur Teilnahme ein. Kreativ, interdisziplinär und offen für alle verwandelte Datscha Radio17 die Privatesse des Schrebergartens in einen öffentlichen Kunst- und Kommunikationsort. Entsprechend der Dauer des Festivals konzentrierte sich der Blick der Radiomacherinnen, Künstler*innen und Gäste auf fünf Themenbereiche:

Der Garten als ein Hort politischer und territorialer Beziehungen war Kernpunkt des Eröffnungstags. Die Historie der Gartenkultur(en) und ihre Verknüpfung mit Metaphern der Macht und des Körpers wurden im Datscha-Garten von der ersten Minute an neu aufgelegt – mit dem Chor der “Hidden Stories Singers”.
Die „Neuen Symbiosen“ des zweiten Tags widmeten sich neben aktuellen Fragen zu nachhaltiger Lebensmittelproduktion und ökologischer Start-ups selbstverständlich auch der Gartenküche… und deren zwittriger Verbindung zu Konzert und Performance.
Wie werden unsere Lebenswelten in der vollendeten Zukunft aussehen? „Biotop in Futur II“ kombinierte Wissenschaft, Performance und Kunst zu einem „radio-aktiven“ Kaleidoskop, das lang nach Sonnenuntergang noch letzte sanfte Farben sprühte.
Den vierten Tag widmeten Künstler*innen, Gäste und das Datscha-Team den „Bienen und Vögeln“, – angefangen mit den aktuellen Entwicklungen urbanen Gärtnerns in Berlin über Kuckuck-Insiderwissen bis hin zu Live-Musik für das ansässige Schneckenvolk.
Der letzte Tag des Festivals blieb der dunklen Materie vorbehalten: Dem Boden, der Entschleunigung, dem Eintauchen ins Unbekannte und somit auch dem imaginären Garten.
So wie sich Radiowellen nach allen Seiten zugleich ausbreiten, war auch das Spektrum von Datscha Radio17 ein über konventionelle Formate und Formen hinaus Schwingendes. Mehr als 40 internationale Klanggärtner*innen und Radiomacher*Innen beteiligten sich über unseren Open Call am Programm und der „International Garden Radio Listening Club“ lud die Zuhörer*innen weltweit zum parallelen Lauschen und Feiern ein.

Also wuchsen die Radio-Tage aus sich heraus; es gab Parallelen, Spiegelungen, Fortsetzungen, Unvorhergesehenes, Konstanten und Mysterien. Der neuseeländische Künstler Hans Kellet etwa, der als Gartenpoet in den umliegenden Gärten konstant Gespräche führte, die er anschließend in Gedichte verwandelte. Als echtes Mysterium mag hingegen die dreitägliche Übertragung der „Greenhouse Emissions“ gelten, einer erstmals von Ryan McFadyen und Kate Donovan vorgestellten Pflanzensprachübersetzungsmaschine.

Während unserer Arbeit im Treibhaus der Pläne und Prognosen verwandelte sich die „Techné“ des Radios zusehends in organische Kommunikation. Die Zukunft, liegt sie nicht eher in den Schwingungen des Jetzt und seiner Materialitäten? Im Durchstreifen des (Radio)Gartens begannen sich Tag für Tag neue Blickwinkel zu erschließen. Selten erlaubten sie den Blick auf „das Ganze“, vielmehr führten sie auf ausgesuchte Wege und Pfade… wie nicht zuletzt auch diese Publikation.

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It took a while to cook: our documentation of the fabulous 5-day August festival in 2017… but here it is! Both (Cake and booklet) were served on occasion of my “traditional” winter BBQ in the Datscha garden.
Much time was dedicated to lighting the fire bin (damp wood !), eating cake and drinking hot apple cider… next to browsing through 40 bilingual pages packed with individual essays and stories, images and graphics.

At the party our time was equally divided between trying to light the fire bin, eating cake, browsing through the  booklet while drinking Hessian hot apple cider… no time for photos! 

Fortunatly at least Valie Djordjevic shot a few: Thank you!!!
(Übersetzung folgt)

Finally…

Genau: Fr. Schaffner und der Baum

Tiger/all girls berlin int. & radio artist Antje Vowinckel

Intense talks: Rafik Will & Helen Thein

All DR artists are invited to get their copy in print… if you didn’t manage now, you can have a view online on: https://www.academia.edu/35787807/Datscha_Radio_2017_Plots_and_Prophecies._Gardening_in_the_anthropocene

Or: contact me or come and fetch your copy at the wood ruff punch party  (that’s May then…). Please understand
that we don’t have the means to send those booklets via snail mail.

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Nicht weniger geheimnisvoll als die Kartoffeln und die Elektronik hier hinter der Folie geht es inzwischen in der Postproduktion von Datscha Radio 17 zu: Unsere Dokumentation ist in Vorbereitung!

42 Seiten, Essays zu den Radiotagen (en, de) und eine Fülle von Bildmaterial und weiteren Infos erwartet unser geneigtes internationales Publikum im Neuen Jahr!

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Das Wetter war einfach zu phantastisch und so zogen wir mit unserem Studio hinaus unter den Baum. Tageskünstler*innen am diesem Dienstag waren Frieder Butzmann, Hannes Wienert und Rosanna Lovell.

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Nachtgewächsl & DJ Shlucht haben die Datscha bespielt …

während die Zuhörerenden im Garten immer mehr werden.

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In diesem Sommer hat die britische Künstlerin Kat Austen als artist in residence des Scott Polar Research Institute der Universität Cambridge in der Arktis gearbeitet. Nun ist sie bei Datscharadio im Wintergartenstudio zu Gast, um über ihre (Klang-)Forschungen vor Ort zu berichten – und diese auch zu Gehör zu bringen.

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… unter anderem vom Brauch- und Regenwasser – aber auch von Apfelwein und Wodka aus dem Datscha-Garten, wobei Klänge generiert werden.
Mehr zu ihren Projekten, von denen sie im Gespräch mit Kate Donovan berichtet, auch hier.

Susann Richter
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