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Wetter: bedeckt, regnerisch. ca . 21 Grad. 8:30

Gespräch mit Nachbarin im Hof über ihren Topfgarten geführt. Ein Baum (ungenannter Art) musste wegen Sanierungsarbeiten weichen. Nicht die Kastanie, die wächst in ihrem Ölfass nur langsam… und führt eine Art Bonsai-Dasein. Andere Pflanzen, das Salomonssiegel und die Hortensie etwa, bewohnen ihren Terrakottatopf seit bereits 20 Jahren.

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Seit ich hier öfters Gast bin, habe ich nie jemand anderen auf dem Bänkchen im Hof sitzen sehen. Die Nachbarin sagt: “Nee, dachte ich auch, dass ich mal hier runterkomme, aber ich hab oben die Dachwohnung und das ganze Zeug (ich frage mich was für Zeug, denn die Bank steht ja hier) runtertragen, ist mir zuviel. Gießen tue ich, aber robust müssen die Pflanzen schon sein… wie die alle genau heißen, na, so genau weiß ich’s auch nicht.”

clematisCaravan aufgeschlossen. Verbindung zum Internet hergestellt. Inspektion der Pflanzen. Überwucherung der Kulturpflanzen: Keine Zuccini, keine der Ipomoea hat überlebt. Die Clematis dagegen: Bester Laune. Auch die Minze hat sich gehalten, kommt aber nur schwer gegen die Gräser der Wiese an.

Der Stream läuft: singende Sägen und Rasenmäher und Soundscapes…

Stimmung der Ethnografin: Leicht melancholisch. Draußen laufen Rentner mit Regenschirmen vorbei. Das Stück verwilderte Wiese, auf dem der Caravan steht scheint die Besucher einzuschüchtern, sie sehen fern.

Bizarr: Die gefranste Tulpe hat sich – getrocknet – in ein stachlig-fragiles Objekt verwandelt, das wie ein Tiefseetier anmutet. Das Blatt der Gunnera: gelblich und hellgrün, pergamentartig und seltsam ratlos wellt es sich auf dem Millimeterpapier.

Die Wiese steht kniehoch. Ringeltauben. Keine Nachtigall, aber Trupps von Schirmen. Die blaue Blume des Sonnenschirms hängt faltig im Juniregen. Die Birke weht. Der Regen wird stärker. 16:50

17:06 Die Nachtigall!

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18:56 Gang über das Gelände. Die Rabatten haben sich verändert. Nun Spinnenblumen (… die EInjahresmodeblume seit drei Jahren), Schleifenblumen, Cosmea und eine immerhin interessante Art von Ziertabak, „Lemontree“. Die Glocken läuten. Ein eher missglücktes Interview in der Floristenhalle. Misstrauisches Mittelalter, toupiert mit Haarspray, ein unwahrscheinliches Kastanienbraun. Blick auf den Mikrofonpuschel gerichtet werden keine Auskünfte gegeben. Stetiges Nieseln. Im Radio Fibonacci.

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Einen Rasenmähermann mit seinem Kollegen verfolgt. Nach 300 Metern eingeholt. Ein jüngerer und ein älterer Türke, Freischneiden der Bachböschung, kleines Gespräch. Mal sehen, was brauchbar ist. Herr Hüssein findet mich „schöne Frau“ und raucht Marlboro. Ist seit 30 Jahren Gärtner, aber einen Garten daheim in Frankfurt hat er nicht. Die Maschinen gefallen ihm. Er hat schon alles gefahren, Traktoren, Bagger, Autos natürlich auch, Rasenmäher… Wenn ich Fragen habe, kann ich mich jederzeit an ihn wenden.

„Anatoli“ von der LGS-Wachgesellschaft hat weniger Spaß an seinem Job, aber er ist sehr gelassen: von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Keine Pause. Ein 1mal1meter Kabuff an einem hinteren Nebenausgang. Ein Buch, ein Telefon, eine Tüte mit Essen. Er kommt ursprünglich aus Sibirien, bei Tomsk. In Russland war er Polizist. Er ist seit 10 Tagen auf dem Job und bleibt bis Ende der Gartenschau. Nach Deutschland ist er seiner Frau wegen gekommen. Fotografiert werden möchte er erst mal nicht.

19:11 Der Audiowalk mit den gärtnerpflichten läuft. Etwas an den Kabeln der Lautsprecher muss gefixt werden… ein zirpender Misston zieht mich an den Ohren… Virpi Nurmi erklärt ihren Garten. Ein Loop von Gehörten und Gedoppelten, eine unaufhörliche Schichtung von Gedächtnis, Aufnahme, Realtime und Kuckucksrufen.

 

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Notiz #03, 2. Mai 2014

Für die Besucher aus der Region sind die Bad Nauheimer Landesgartenschau von 2013 und vor allem die Budesgartenschau in Koblenz Richtschnur ihrer Erwartungen und Erfahrungen:

„Also wir ham da nen Parkplatz gesucht… foschtbar. kaa Hinweis, wenn ma von ausserhab kommt, nee, des war letztes Jahr, in Bad Nauhaam, ganz annners. Und Koblenz! Des müssen die doch logisch hinkriege, des mit dem System.“ (Paar aus dem Umland. ca Mitte 50, Mann regt sich auf)

„In Koblenz, ja, da war mehr… also mehr Blumen und so.“

Notiz #14 6. Mai 2014,

Die Besucher sind geneigt, die Radiostation als eine offizielle Instanz der Landesgartenschau zu sehen:

„Sie sind doch hier das Radio,ne? Also ich hab hier vorhin, auf der Herrentoilette, ich hab da ne Kamera gefunde: Also, wo Sie hier Radio mache, ich geb das am Eingang ab, aber Se könne es durchsage? Könne Se? Herrentoilette da vorn!“

(Mann, ca Mitte 50, zu einer Gruppe gehörig, Kamera eine Canon Ixus, älteres Modell.)

Notiz #2, 5. Mai

Ästhetik und Urteil, Floristenzelt: Die Besucher sind meist Paare und ältere Damen in Trupps. Einer Kritk der Gestecke wird meist ausgewichen, postive Meinungen bleiben allgemein. Der Konnex mit Wissenschaft wird nicht explizit wahrgenommen, die Aufmerksamkeit richtet sich vor allem auf die Besonderheiten, das Außergewöhnliche. Fachleute bilden eine Ausnahme – und halten mit ihrer Meinung auch nicht hinter den Berg:

 „Ja, also, alles sehr sehr schön! Nee, ich kann gar nicht sagen, was mir da am besten gefallen hat. Ganz außergewöhnlich!“ (Frau, Ende 40, kam vom Floristenzelt zum Studio)

„ Na ja, also Geschmackssache bei so’n paar…“ (Mann, aus Gießen, ca Mitte 40 mit Begleiterin)

„ Also, ich kann diese Röhrchen nicht mehr sehen! Was soll das? Man glaubt, ohne Röhrchen können die Floristen nichts mehr machen…“ (Fachbesucher, Mitte 50, Interview im Studio)

 

Notiz #8, 6. Mai 2014

Zu den Schaugräbern. Grabgestaltung an sich scheint immer noch eine Angelegenheit der Frauen zu sein. Sie sind es, die am ehesten von „Anregungen“ und „Ideen“ sprechen. Männliche Besucher verweisen eher auf das allzu Phantasievolle und tendieren zu den schlichteren Designs. In der Regel fällt der Satz: „Aber ich brauch das nicht, ich hab da schon vorgesorgt“. Die Frage, ob die Schaugräber als „unheimlich“ empfunden werden, wurde bislang durchgehend verneint (ca. 11 Personen gesprochen).

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on radio aporee
datscharadio field recordings on radio aporee

radio aporee ::: maps – Gießen, Deutschland
Feldaufnahmen vom Gelände der Landesgartenschau und darüber hinaus: Interkultureller Garten am Funkturm.

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Dr. Hans-Günter Lerch zu Gast bei Datscharadio: Manisch ist eine in Gießen und Umgebung als Soziolekt gesellschaftlicher Randgruppen entstandene regionale Variante des Rotwelschen. Es handelt sich um einen auf der Grundlage des örtlichen mittelhessischen bzw. Wittgensteiner Dialekts gebrauchten geheimsprachlichen Sonderwortschatz.

Edited by Pit Schultz/Gabi Schaffner

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Urban Noise Garden – Dirk Hülstrunk

Unter Brücken – Akustische Zwischenräume im Frankfurter Grüngürtel.
Urban Gardening – Kunst, Politik oder neuer Freizeitspass der kreativen Klasse.

Natur und Stadt, das ist immer auch ein Zusammenprall von technischen, menschlichen und natürlichen Klängen. An keinem anderen Ort wird dies deutlicher als unter den Verkehrsbrücken, die den Frankfurter Grüngürtel zahlreich durchschneiden. Der Frankfurter Autor und Audiokünstler Dirk Hülstrunk nimmt die Klänge dieser Brücken auf und erzählt ihre Geschichten. Die Brücken fungieren als Klangräume, die Umgebungsgeräusche formen, verformen und verstärken. Wer diese Klänge nicht nur als Störklänge interpretiert, kann bei genauem Zuhören eine faszinierend vielfältige und vielschichtige Klangwelt erleben.
Dazu hat Hülstrunk Gespräche mit Aktivisten der Frankfurter Urban Gardening Szene geführt, die einen Einblick in diese hierzulande noch junge Szene bringen.

https://soundcloud.com/rebootfm/datscharadio-dirk-huelstrunk

Edited by Pit Schultz.

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8. Mai: Ausflüge in die Rabatten. Galerie der botanischen Proben von Wildwiese 1, unweit des Blumenschauzeltes. Eine mit nordamerikanischen Arten “gepimpte” Wildwiese.

Status: in Arbeit.

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Ja, er singt wie Sinatra – und das sogar in strömenden Regen: Herr Augst mit DEIN LIED.

Editiert von: Pit Schultz

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Datscharadio-Sendungen bei reboot.fm, dem freien Berliner Künstlerradio:

 

 

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