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Tag "Protokolle"
besuchernotizen

Nachgereichte Notizen:

Während der Wohnwagen auf der Wiese sofort als ein Element der eigenen Lebenswelt begriffen wird, stellt die Frage, was „Datscha Radio“ eigentlich ist und macht, für die Besucher eher ein Rätsel dar.

Hier eine Auflistung der häufigsten Fragen, in geschätzten Prozenten von 100 Besuchern (Direktkontakt) im Zeitraum vom 26. April – 8.Mai und vom 3. – 14. Juni:

Was machen Sie hier eigentlich?                 100%

Kann ich das Radio jetzt hier hören?           55%

Was ist ein Audiokomposter?                       84%

Schlafen Sie auch hier?                                  60%

Wie geht das mit dem Radio?                       26%

Was ist das für ein Wohnwagen?                   8%

Und Sie sind hier die ganze Zeit?                 65%

Nach Klärung der Fragen sind die Reaktionen durchweg positiv. Frauen und Paare (vor allem Frauenpaare) sprechen eher auf die sozialen Komponenten an und setzen sich gern auch zum Zuhören hin. Männer interessieren sich im Durchschnitt mehr für die technischen Parameter und testen eventuell den Zugang zum Player von ihrem Smartphone aus. Junge Leute finden das Projekt „cool“ oder „abgefahren“. Das Durchschnittsalter der Besucher ist +/- 50 Jahre. Gruppen, besonders solche mit hohem Seniorenanteil und/oder Gehbehinderten, begnügen sich in der Regel mit der Hinweistafel. Erwachsene in Begleitung von Kindern werden entweder von diesen zum Besuch verlockt oder sie kommen, um die Aufmerksamkeit ihrer Sprösslinge auf etwas zu richten, das beide Parteien gleichermaßen interessant finden könnten: „Schau mal, hier kannst du gucken, wie es in einer Radiostation aussieht. – Dürfen wir mal reinschauen?“

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Auffallend oft wird die Anwesenheit der KünstlerIn überschwänglich begrüßt.

„Ach, endlich ist mal jemand da!“

„Schön, dass jetzt hier jemand ist. Was ich schon immer mal fragen wollte: …“

„Bleiben Sie jetzt bis zum Ende der Gartenschau hier?“

„Ja Sie! Datscharadio! Sie such’ ich schon die ganze Zeit!“

Einerseits sind es die Gästeführer der LGS, die für ihre Führungen Hintergrund-Infos benötigen. Zum anderen sind es die Besucher mit Dauerkarten, die regelmäßig das Gelände ablaufen. Obwohl die Internetadresse von Datscha Radio deutlich überall angegeben ist, wird der persönliche Kontakt einer Recherche vorgezogen. Die Tatsache, dass hier die „Sitten und Gebräuche“ einer Landesgartenschau im Fokus stehen, samt ihren Besuchern und der Lebenswelt Gießen, wird meist freudig registriert. Daher ist die Mehrzahl auch mit dem Fotografieren ihrer Person einverstanden.

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Drei Besucher vom 1. Mai. Das Wetter: regnerisch. Die Herren technisch versiert, die Dame amüsiert.

Das Element „Wildwuchs“ um den Caravan wird vorwiegend als „romantisch“ empfunden. Unter den „aufmüpfiger“ gesinnten Besuchern (Linke/ Aktivisten/Studenten) scheint eine gewisse Freude am Rebellischen durch. Das ungehinderte Wachstum der Gräser und Pflanzen wird klar als Gegensatz zum Präsentationkonzept der LGS begriffen, auch wenn diese selbst Wildwiesen zur Gestaltung der Flächen verwendet. Entsprechend wurde das versehentliche Niedermähen der Bepflanzung vom 14. Juni empathisch kommentiert.

„So ein Sch…!“

„Wie kann man nur!“

„Och, wie schaaade!”

„Ja, nee, ne! Ordnung muss halt sein, denken die.“

„Versteh’ ich nicht, versteh’ ich wirklich nicht! Das sind doch Pflanzen! Also, das kann man doch sehen, dass das ne Blume war… also ist… naja, jetzt nich’ mehr.“

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9:30 Das Übliche: Uploads, Fotobearbeitung, Mails, Telefon

11:30 Hörstation Stadtbibliothek: Kopfhörer nachgereicht.

Auf dem Weg zur LGS, Höhe Moltkestraße, die Prärieblumenbepflanzung der Verkehrsinseln: Verbascum, Gaura, Achillea, Lychnis ‘Alba’. Weiß und Gelb.

 

12:30 Ankunft Sendestation. Die gemähte Wiese hinter dem Caravan ist mit kleinen Heuhaufen bedeckt. Die Gärtner sind dabei, es mit Gabeln auf die Rückfläche in einen kleinen Transporter zu häufen. Gespräch mit Gärtnern. Herr Hüssein plus ein zweiter Mitarbeiter, den ich auch schon kenne. Plus Herrn Mondher aus Tunesien – „Das ist einzige Arbeit, die es in Deutschland gibt“ – und Herr Danial aus Italien.

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Mails, Uploads, Fototransfers.

14:00 Rundgang LGS. Die Allendorfer Blaskapelle spielt.

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Auf dem Plan immer noch die Gartendekostände und ihre Kunden. Wer kauft so was und warum? Kauf einer Profigartenschere beim Fachmann. Nur spärliches Gewusel um den Stand mit hand(?)getöpferten Gartendekorationen: Bunt glasierte Raben, Karotten mit Gesichtern, Katzenfiguren zwischen Garfield und Tigerente, Gänsehälse (mit Kopf), die man in Büsche stecken kann, Fische, mit aufgesteckten bunten Kugeln versehende Staudenstützen… Ich stelle mich neben die wildgelockte, resolute Verkäuferin. Das Mikrofon ist an, verschwindet aber zwischen dem Krimskrams auf dem Tisch. Die Dame legt überhaupt keinen Wert darauf, dass irgendwas aufgenommen oder gar ein Bild von ihr gemacht wird. Zur Fehlorganisation der Gartenschau hat sie aber viel zu sagen. Dies betrifft im wesentlichen Essens- und Eintrittspreise, fehlende Informationen über zu erwartende Busgäste und die Müllentsorgung.

Danach Gespräch mit zwei Frauen um Mitte 50 aus dem Dorf Buchenhagen im Kreis Korbach/Hessen. Wir kommen vom Sinn und Zweck der Gartendekoration „Es muss schon passen, also so ganz kitschig darf es für mich nicht sein“, zum aktuellen Betätigungsfeld des Landfrauenvereins, in dem die beiden organisiert sind. Ich erfahre nahezu alles.

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16:36 Nächster Punkt auf dem ethnografischen Planzettel sind nach wie vor die Architekturen der LGS und: Was sagen die Leute zum zweiten, auf der LGS installierten Kunstwerk, dem Biozön-Gewächshaus?

Fotos Steinteichlandschaft mit balancierenden Kindern, Foto Gartenpavillion mit angemalten grünen aber toten Baumstämmen, Foto Verbascum II vor einer schachtelartigen modernen Architektur. Das Hinweisschild fordert die Besucher auf, ihre persönlichen Vorstellungen von „Paradies“ mit Kreide auf die schwarzen Wände des Inneren zu skizzieren. Drinnen finde ich Kommentare im Stil von Toilettengraffiti, vielleicht etwas kindischer: „Mina hat Käsefüße“, „Gießen ist asozial“. Neben der Zeichnung einer Sonne mit Wolke und Schmetterling steht das Wort „Teppichrasen“. In ein Yin&Yang-Zeichen ist ein Haus gemalt. Eine junge Person namens „Nigg“ hat (s)einen Link auf soundcloud angegeben. Allgemein scheint der Paradies-Block vornehmlich von Schulklassen genutzt zu werden.

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Gang über die Brücke bei den Wasserdampf sprühenden roten Kugeln im Wasser. The perfect picture: Ein Junge auf den Sportgeräten davor, die die Nebel in Gang setzen.

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Das Biozön. Interview zwei Personen, beide mit langen grauen Haaren, es wird intensiv durch die Glaswand geschaut und fotografiert. Auf Nachfrage sind sie nicht nur sehr freundlich sondern auch: Begeistert vom Werk. Kleines Interview mit Connie und Detlef, die aus dem Ruhrpott kommen und selbst als Künstler in einem ähnlichen Feld tätig sind. Sie erzählen auch von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem „amtlichen Vandalismus“ der bei ihnen „innerer Vandalismus“ heißt. Im Zusammenhang mit einer Arbeit der Beiden, die sich mit Neophyten, also eingewanderten Pflanzen, auseinandersetzt, wurde eine Herkulesstaude von Amts wegen brutal geköpft… vor der Blütenbildung bereits.

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Zweites Interview/Gespräch mit einem Mathematiker-Ehepaar aus dem Vorort Allendorf/Gießen. Über Kunst und anderes. Herr Weiss stellt sich als ambitionierter Holzschnitzer und –Drechsler heraus, zieht sein Iphone und wir betrachten seine Arbeiten. Beide kennen Gießen noch aus der frühen Nachkriegszeit und sind über die Verwandlung der Wieseckaue mehr als erfreut.

Fortsetzung Rundgang. Grünes Klassenzimmer. Ein drittes Verbascum windet sich schlangengleich durch einen aus gezimmerten Bleistiften gestalteten Gartenzaun. Fotos Architektur, Foto extrem tristgrün gestrichene Riesenblumentöpfe vor dem entsprechenden Eingang zur LGS.

Der Weg zurück zur Hauptanlage führt entlang von Stellzäunen, die mit Werbeplanen verhangen sind. Gesichter von Kindern, hübschen Frauen, glücklichen jungen Männern. Firma nenne ich hier nicht. Hinter den Gittern die „anderen“ Spaziergänger. Man sieht die Beine, Schuhwerk, die Räder der Bikes, hört die Stimmen. Bei einer gesperrten Zufahrt neben dem Waldbrunneneingang Kreideschrift außerhalb auf dem Boden: „Wir sind das Volk“.

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19:08 Rückkehr Caravan. Zusammenpacken. Der Ventilator muss auch wieder mit. Telefoniere wegen Auto. Mir fällt ein, dass ich noch einmal nach dem Bilsenkraut schauen muss. Stimmt das mit den regelmäßigen Pflanzabständen? Ich gehe den fein geschotterten Wegrand ab: Es stimmt. Etwa alle 1,50 bis zwei Meter zum Teil sogar auf beiden Seiten des Wegs eine abgemähte Pflanze. Foto. Fürs Herbarium finde ich keine intakte Pflanze mehr. Ich ziehe probeweise an einer der Stauden. Der Boden gibt nach und, hm, ich halte meine einziges Diebsgut der LGS in der Hand, ein „Hexenkraut“. Letztes Foto vom Studio, die Ethnografin lässt ihren Hut da.

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20:00 Abschied vom Wachpersonal Quellgarten. In der Gutfleischstraße muss ich das Rad bremsen. Ein unbedingt schamanistischer Kunstleitpfosten aus Holz- und Wurzelwerk. Foto. Der Wachmann überholt mich in der Straße und meint, ich sei ja noch nicht weit gekommen. Weiteres Foto anderer Pfosten „Relevanz für Akzeptanz“ – Gießener Reime. Das Must auf dem Rückweg, obwohl beim Gastgeber die Pizza wartet: „die Woscht-Anna“. Der Imbissstand ist eine Institution in Gießen seit 1954, die Wurst hervorragend, meine Entschuldigung für den Nicht-Wurst-Kauf ziemlich blöd, aber nun. Vor mir wird noch bestellt. Kamera leider auch tot. Junger Muskelmann mit Asia-Freundin in Shorts und Haaren bis zum Po. Irgendwas hat nicht gestimmt mit der Bestellung, was es bei Anna-Woscht gar nicht geben kann, also wird eine andere, neue Woscht angeboten. Der Muskeljüngling, kurzgeschorenes Haar, Senf noch am Mundwinkel, betont dass „alles voll in Ordnung, und, wir komme ja direkt aus Frankfurt, jedes Mal un’ …– wie ?– jedes Mal, jetz auch aus Frankfurt, jede Tag? – Nee, meine Freundin is hier in Giessen, also immer wenn ich sie besuch, geh ich hier her.“

anna_woscht_k Der Anna-Woscht-Stand an einem anderen Abend im Vorbeiradeln.

22 Uhr Pizzaessen mit Gastgeber und seinen Arbeitskollegen. Einer von ihnen weiß alles über Anna und ihr’ Woscht,, die Person und ihren Namen, die Geschichte, die Wurstzulieferer, wann wo welcher Imbiss, wer mitarbeitet und wer dort isst (jeder). Die Anna-Worscht in Gießen fordert eine In-depth-Studie geradezu heraus und bekommt deshalb an anderer Stelle einen Exkurs. Das Mikrofon liegt zwar in der Ecke, aber ist eingeschaltet.

Bis 1:00 Uhr, 15. Juni: Bildbearbeitung und Sortieren des Tagesmaterials.

 

 

 

 

 

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9:15 Mails, Uploads, Umloads, Materialsichtung, Bildbearbeitungen, Telefon.

10:23 Ein Foto der künftigen Hörstation in der Gießener Stadtbibliothek im Posteingang. Große Freude und Dank an den Leiter, Herrn K.

10:40 Die Mutter am Telefon möchte das Wort „explizit“ buchstabiert bekommen. Die Ethnografin stammt aus eher einfachen Verhältnissen. Ein vor sich hin häkelndes, lesendes, laubsägendes, töpferndes, Katzen streichelndes Mädchen, das die Vorzüge sicherer Distanz mehr oder weniger beharrlich für sich nutzte. Aufbruch!

11:55 Ankunft LGS Lichtkirche.

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Aufnahme Glocken. Ich erdulde den musikalisch orientierten Gottesdienst. Eine Dekanin, vietnamesischer oder koreanischer Herkunft sitzt am E-Piano. Es klingt wie Elton John auf LSD mit Valium. Gute Worte der Pfarrerin, Bezug aufs Fußballspiel, die moderne Predigt, Aktualität, Gerechtigkeit, Lied, Gebet. Eine elegante, ältere Dame in Gelb schräg hinter mir.

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Im Anschluss: tolles Gespräch über den „Gießener Schlammbeisser“. Herr Meilinger macht Kostümführungen und spricht ebenso gewandt wie entspannt ins Mikrofon. Außerdem hat er das Modell der Lichtkirche, die hier als Spendenbox dient, selbst gebaut. Mehr zum Schlammbeisser ein andermal, hier reicht mir die Zeit nicht.

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14:00 Der Gästeführer vom Vortag, Herr Günther Kühnel, besucht mich in der Sendestation. Wir sprechen über Kunst.
14:23 Aufbruch Bücherei, Hörstation einrichten

16:30 Hunger. Trotzdem Botanischer Garten.

Gespräch mit charmanter Aufsichtsdame, die mich wegen meines Fahrrads anhält. Interview, Gespräch. Wir gehen auf die Suche nach dem weiblichen Ginko.Nachdem wir ihn nicht finden, in der Nähe des Blindengartens sollte „sie“ eigentlich stehen, holt Frau Rödinger ihren Kollegen zu Hilfe. Wir finden den Baum. Unterwegs streichelt Frau Rödinger einen Fenchel. Sie mag Pflanzen zum Anfassen. Auch die Mahagonikirsche gehört dazu. Zwei schnieke junge Leute, alternative Punks oder ähnlich mit Hund, werden freundlich aufgefordert, den Park zu verlassen, da keine Hunde erlaubt seien. Zwischendurch sprechen wir über das Streicheln und Besprechen von Pflanzen. Frau R. hat keinen eigenen Garten und freut sich sehr über ihren Job. Sie gibt mir ein Brötchen mit auf den Weg. Und ich schau mir noch Afrika,  Amerika und den Blindengarten an.

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17:35 Plan weiter: Architekturen und Leute auf LGS. Mail mit Isa Balzer, die den Katalog macht für uns Künstler alle. Fotos von Architekturen und Leuten. Uploads, Umloads. Mail mit Pit. Muss mich auf seltsame Server einloggen und dort „rebooten“. Klappt.

19:27 Herr Hüssein umkreist den Caravan mit seinem Rasenmäher seit gut 45 Minuten wie eine wildgewordene Hummel. Eigentlich müsste alles gemäht sein. Die Abendsonne scheint. Gutes Licht, aber das Telefon ist tot. Ich warte darauf, dass es endlich RUHIG wird, damit ich mein Getränk genießen kann. Arbeiten die jetzt doch am Englischen Rasen?

Isa meldet, dass gleich da. Hole sie ab und muss Pflanzen aus dem Quellgarten sammeln. Finde ein Exemplar Cannabis sativa. Weil meine Telefonkamera tot ist, leiht mir Isa ihre. Im Studio Gespräch über Katalog und anderes.

21 Uhr Verlassen des Geländes. Kochen beim Gastgeber, Blumenkohlgratin.

22:30-00:30 Texte, Uploads, Bildbearbeitungen.

 

 

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Den Ginkgo kennt man – irgendwie. Goethe und überhaupt, ja, einer der ältesten Bäume der Weltgeschichte. Weniger bekannt ist, dass Ginkgo biloba ein zweihäusiger Baum ist, also in einer weiblichen und einer männlichen Form existiert. Und während der männliche Baum Stolz und Zierde vieler Parkanlagen und Gärten ist, fristet das Weibchen ein Dasein meist in den Randzonen dieser Anlagen.

Der Grund dafür sind die mirabellenähnlichen Früchte des weiblichen Ginkgo, die äußerst unangenehm riechen und – steht so ein Baum allzu publik – Schreck und Entsetzen unter den Passanten und Anwohnern verbreiten.

Auch im Botanischen Garten in Gießen ist es so. Der männliche Baum steht prominent im Zentrum, sein weibliches Gegenstück steht: Wo eigentlich?

Am 13. Juni begebe ich mich mit der ehrenamtlichen Aufsicht des Gartens, Frau Rögener, auf die Suche nach dem weiblichen Ginkgo. Sie gesteht, dass sie eigentlich auch nicht weiß, wo “sie” steht: “Da hinten irgendwo… aber so genau hat noch nie jemand danach gefragt.” Wir folgen dem Pfad, der in Richtung Blindengarten führt, machen Abstecher ins Hinterland der Büsche, an Waldglockenblumen in Blau und Weiß und einer Waldlilie (Lilium martagon) vorbei. Wir finden nichts und so wird Horst hinzugezogen. Der sitzt gemächlich auf einer Bank und lässt sich seinen Leibesumfang bescheinen. Horst arbeitet seit seit seiner Verrentung vor über 15 Jahren ehrenamtlich als Aufsicht im botanischen Garten. Er steuert zielsicher auf den Baum zu, der tatsächlich am Rand des Blindengartens am Wegrand steht.

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(An dieser Stelle sollte ein Foto der Karte des Botanischen Gartens mit eingezeichnetem Standort des Baums kommen. Irrtümlich von der Forscherin gelöscht, wird es nachgetragen)

Mit Ausnahme der Blüten und Früchte sieht “sie” eigentlich genauso aus wie “er”. Trickreich ist, dass die Ginkgos eine sehr lange Zeit zur Geschlechtsreife brauchen. Bis zu 30 oder sogar 40 Jahre können verstreichen, bis sich dieses Geheimnis offenbart. Andere Namen des Ginkgo sind der “Fächerblattbaum” oder, immerhin recht schmeichelhaft, die “Silberaprikose”. Ich frage die beiden, ob sie jemals den Geruch erlebt hätten. Horst bejaht, will sich aber nicht genauer ausdrücken. Der Baum sei eine “sehr schlecht riechende Dame”. Auch Herr Laake, der technische Leiter des Botanischen Gartens, der  bereits im April auf die Existenz des weiblichen Ginkgobaums im Garten verwies, blieb lieber im Vagen. Austretende Buttersäure im Prozess des Reifens, und, noch schlimmer, im Prozess des Faulens (etwa auch, wenn Leute auf die Früchte treten), sei für den Geruch, der “wirklich unerträglich” sei, verantwortlich.

Antworten auf die Frage nach dem wahren Gestank lassen sich im Internet finden, doch da sie nicht direkt von Gießener Informanten stammen, behält sich die botanisch interessierte Ethnografin vor, im Herbst noch einmal nachzuriechen.

 

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Protokoll 11_6_2014

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7:47 Geweckt durch schwere Gewitter. Der Regen rauscht, eine Umkehrung von Duschvorhang.

10:30 Gespräch mit Herrn Goos wegen der Pflanzdemolierung am Caravan. Ersatz ist versprochen & muss dann realisiert werden. Wir bekommen ein neues Set Schlingpflanzen… evt. Ein paar Gräser…

Mails, Uploads, Fotobearbeitung. Warten auf wetransfer. Schnitt von Garteninterview mit Ehepaar Potempa. Frau Hammel vom Kassenhaus muss noch mal gefragt werden…

12:00 Warten auf wetransfer. Plan heute: Dekorationsstände auf LGS. Schaffe es nicht in die Literatur reinzulesen. Dickes Buch zum Pflanzenpressen mitgenommen. Der gelbe Ziertabak muss da rein… und einiges andere.

In Bäcker-Interview vom Kahlgrund/Spessart reingehört. Mächtiger Ortsstolz, auch schon bei der Handkäs-Dame. „Heimat“ ein wichtiges Wort hier… vielleicht auch anderswo.

Foto vom Kassenwärter I fehlt noch, der sitzt nun wohl an der Hauptkasse: Dort vorbeifahren (und anhalten). Auf dem Rechner explodieren die Dateien, wie üblich. Ein diszipliniertes Ordnungssystem fehlt.

Fichte kurz gelesen: Scharfumrissene Momente. Meint man nur, dass da mehr passiert, weil es fremder ist/in Brasilien spielt? Auf der LGS gibt es keine Transvestiten in den Büschen – nicht soweit ich beobachten könnte. Nicht mal heimlich pinkelnde Rentner. Oder ist es der Stil? Oder ist es die himmelschreiende Armut, die jede Beschreibung, jeden Dialog wie mageres Stroh durchlagert – und hier – in Hessen, Gießen, LGS, der dicke, träge, satte Lehm des mitteldeutschen Wohlstands.

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Frau H. vom Kassenhaus dagegen sagte: „Nee, ich seh nur das, was ich auf meinem Arbeitsweg von einem Eingang zum anderen seh. Wenn ich hier privat rein will, muss ich zahlen wie andere Besucher und 15 Euro sind ja nich wenig. Und nach der Arbeit… da will ich dann nach Hause.“

13:00 Auf dem Weg ein vom Sturm umgewehter Kunstleitpfosten. Im Studio. Schwätzchen mit neuem Security-Mann am Tor. Wer nicht professionell aus dem Überwachungssektor kommt, ist doch stets dankbar für eine kleine Unterhaltung. Immer wieder Fragen nach der Frequenz von Datscharadio.

13:50 Stream läuft wieder… die Nachtigall. Dachte schon, die kommt von draußen. Akustischer Fake.

Plan: Neuer Pflanzplan für Caravan… uh. Dann Dekostände, dann Editieren von Files, Fotobearbeitung, Text. Pflanzensammeln.

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14:25 Zwei Studenten des Instituts für angewandte Theaterwissenschaften auf dem Bänkchen zu Besuch. Interview. Mitte Zwanzig, die ersten Studenten zu Gast. Thea und Georg sind auf Mission, der geheime Limonadenbaum muss gepflanzt werden. Weitere Ziele der beiden: Golfspielen, Till Schweiger auf der LGS sehen und billigen Sekt trinken. Wir sprechen über Punk, DIY, Gräber, Gold, Guerilla-Performances, Rituale, Schrebergarten-Enteignungen, Stadtpolitik und noch 50 Sachen mehr. Scharfsinn und Albernheit halten sich die Waage. Inhalte werden aus dem Stehgreif improvisiert und an der Grenze zwischen Unsinn und Ernsthaftigkeit ausbalanciert. Am Ende vergesse ich, ein Foto zu machen.

15:30 -18:30 Aufbruch zu den Dekogegenständen. Auf dem Weg: Gespräch mit einem Gästeführer. Foto. Fotos aus von drei lustigen Damen auf einer Bank. Verfolgung zweier älterer Damen mit schwer fremdländischem Akzent. Es stellt sich heraus, dass sie aus Unterfranken kommen. Kein Foto erlaubt.

Auf dem Weg grüßen mich die Gärtner bereits und fragen ob alles ok ist. Herr Hüssein und sein Kollege sind ohne Maschinen unterwegs und pflegen stattdessen Beete.

Interview mit dem Herrn, der die Gartenscheren verkauft. Ein Mann vom Fach. Später, viel später stellt erzählt er, dass er eigentlich Gartenarchitekt ist… „die Karriereleiter herunter gefallen“. Ich frage nicht warum. Die Gartenscheren sind super, ich kann daumendicke Äste einhändig durchschneiden und das Mikro in anderen Hand halten.

Gästeführer (links) und sein Bekannter

Gästeführer (links) und sein Bekannter

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Gegenüber verkauft ein junges Mädchen Blumenzwiebeln und diverse Dekorationsgegenstände. Sie ist Chinesin, aber in Gießen geboren, studiert Krankenhaushygiene und hat Freude an ihrem Aushilfsjob auf der LGS. Lilien sind im Moment ihre Lieblingsblumen, einen Garten hätte sie gern.

 18:55 Will Besucher beim Gießener Biozön befragen, aber es ist niemand da. Der Fluss führt Hochwasser vom Regen letzte Nacht. Ein junger Mann läuft vorbei. Das Wasser rauscht. An der Lichtkirche wird vom Pfarrer der „Regenbaum“ repariert: Eine Düse im Geäst einer Eiche versprüht zu bestimmten Zeiten Wasser. Interview. Foto.

Pflanzen sammeln: Salvia, Nicotina, Dill, Asphodele.

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19:30 Zurück im Studio. Abendpunsch. Files sichern, schneiden. Ein Pulk Besucher mit zwei Bollerwagen, in denen Sektflaschen und andere Getränke lagern gruppiert sich um den Wohnwagen. Reges Interesse. Ich höre, was ich von vielen höre: „Endlich ist mal jemand da… Sonst sind Sie ja immer weg!“ Meine Kamera geht nicht, Speicher voll. Also bitte ich die Gäste, ihre Fotos selbst zu machen und mir zu Dokumentationszwecken zu schicken.

20:00 Will hier einpacken. Der Gedanke noch, wieso morgens die Gedanken so anders sind als abends. Da war ich vertieft in „Musings“ über die Situation der Ethnografin. Was ist davon inszeniert, was davon naturgemäß gegeben? Und ist sie einsam? Aber das ist es nicht, was ich meine. Es ist entfleucht. Bis zum nächsten Morgen, oder nicht. Einpacken.

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23:52 Endlich Textidee. Wie üblich aus dem Wirrwarr der Sätze, die sich im Kopf formen, und, einmal hingetippt, plötzlich einen Gedankengang erkennen lassen. Nein, keinen Gedankengang… – eine Passage aus dem Denken heraus.

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8:15 Schlafmangel. Mails. Uploads, Sichtungen Material. Fotobearbeitung. Check Farben/Belichtung, Scharfzeichnen, Sichern, Version fürs Web.

13:00 Aufbruch zum Bahnhof. Besuch im Heimatdorf Fechenheim/Frankfurt steht an. Und: Gartenexkursion Enkheimer Straße im Stadtteil Bornheim

14:25 Wegbeschreibung_SMS  für den Garten:

„Eulenweg hoch, dann die Enkheimer Str.. Letzter Garten links vor der Autobahnbrücke.“

19:20 Orientierung über die Karte auf dem Smartphone. Fachwerkhäuser in Alt-Bornheim. Links schwere Tasche, rechts schwere Tasche (Getränke und Grillgut). Dann die Enkheimer Straße. Falsches Schuhwerk. Häuser und Vorgärten weichen einem Schrebergelände. Jogger, Radfahrer, keine Fußgänger. In der Luft liegt das stete Brausen und Rumpeln der Autobahn, deren Trasse den Horizont auf halber Höhe schneidet. Im Himmel darüber kreuzen Flugzeuge, von fern eine Ringeltaube. Ich laufe nun barfuß.

Die Gartentore links sind überhangen von Brombeerbüschen, dahinter sieht es schattig aus und still. Rechts eine 2m hohe Hecke, hinter der ein Bananenhain liegt… Was sonst sollte man eigentlich in einer mittelhessischen Gartenkolonie erwarten. Foto.

19:35 Niemand und nichts in Sicht. Ratlose Telefonate. Welches ist der richtige Garten?

19:45 Treffe die Gärtnerin, Problem gelöst. Von der kiesigen Brache unter den mit Graffiti verzierten Brückenpfeilers führt links ein weiterer Weg ab. Und dort ist es dann. Ein Schattengarten. Funkien, Fingerhut. Mehr Gäste kommen, Grill, Wein.

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22:00 Aufbruch Richtung Gießen. Der Mond steht diesig im Osten. Der Zug ist voll.

23:34 Gießen im Fussballfieber. Kneipe am Eck hat Leinwand aufgebaut. Ich hole mir ein Bier und schaue die letzten 20 min. Brasilien-Kroatien. Jungvolk. Neben mir ein älterer Herr mit schwarzer Hautfarbe, der das Spiel ernsthaft verfolgt. Nach dem Abpfiff allgemeiner Aufbruch.

0:00 letztes Posting auf dem Blog.

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Wetter: Sonnig, 29 Grad, windstill.

Unwetterwarnung für den Nachmittag: Erhöhtes Risiko für örtlich STARKE GEWITTER, an denen es zu STARKREGEN um 15 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, kleinkörnigem HAGEL und STURMBÖEN um 80 km/h kommen kann. Vereinzelt sind Unwetter durch SCHWERE GEWITTER mit HEFTIGEM STARKREGEN um 30 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit, HAGEL mit Korndurchmessern um 4 cm und SCHWEREN STURMBÖEN um 100 km/h möglich.

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10:00 Uploads, Mails, Telefon, Gespräch Bücherei und Mobile Albania. Mögliche Interviewtermine werden gesucht.

12:00 Ankunft des Postboten. Endlich Hubert Fichtes “Petersilie”! und weitere Fachliteratur.

14: 02 Zusammentreffen mit dem stellvertretenden Geschäftsführer der Landesgartenschau auf dem Gelände. Auf die Frage, was er zu der Demolierung der Sendestation zu sagen hat, hebt er die Hände und sagt, er “halte sich aus allem heraus” – mit Verweis auf den leitenden Geschäftführer und den Gärtnerchef. Eine durchaus konventionelle Methode der Problemverdrängung. Kein Wort der Entschuldigung oder auch nur des Bedauerns.

Nach dem Besucherstrom der Pfingstfeiertage liegt der Rasen nahezu verlassen in der Sonne. Nur vereinzelt kommen Besucher vorbei. Das Radio der Schrebergärtner hinter der Hecke ist deutlich zu hören.

Gegen 15:00 tuckert ein Rasentraktor auf einen Meter an den Caravan heran. Die gärtnerische Leitung unter Herrn Goos hat einen Abgesandten geschickt, der den Schaden vor Ort begutachten soll. Herr Braune besieht sich das Desaster und, soweit er kann, erklärt er es – in mittelbreitem Sächsisch:

“Also, das kann nur gekommen sein, weil diese Wiese hier, da sind ja Blumenzwiebeln drin… und diese Wiesen sollten dieses Wochenende abgemäht werden. Aber das hier (schaut auf tote Clematis)… und der Eimer… total kaputt. Nee, des kann ich och nicht erklären. Da muss ich mich entschuldigen, des tut mir leid.”

Auf die Frage, ob er gewusst hätte, dass 2 Meter um den Caravan herum nicht gemäht werden sollte: “Nee, das nicht.”

Herr Braune macht noch einige Vorschläge von gärtnerischer Seite und ist allgemein sehr aufmerksam und freundlich. Er kommt ursprünglich aus Thüringen, wo er eine eigene Gartenbaufirma hat. Auf der Landesgartenschau übernimmt er für ein halbes Jahr die AUfsicht über die gärtnerischen Pflegearbeiten. Ich machte ein Foto von ihm und dem Rasenauto und denke mir, mal sehen, was noch passiert.

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15:30 Ein Ausflug zur Kleingartenkolonie ist geplant. Wasserflasche, Aufnahmegerät, Kamera. Ein übergewichtiger Mann in hellgelben T-Shirt und verschwindend dünne Begleitung schlendern eilig vorbei. Der Ventilator surrt, aber ich bin mir nicht sicher, ob nicht von fern schon Donnergrollen zu vernehmen ist. Die Befestigungsleinen der Antenne flattern in einer aufkommenden Brise. Bei dem Versuch, sie anzuziehen: Ein weiteres Zeugnis des Amtlichen Vandalismus:

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16:28 Endlich Aufbruch.

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18:53 Rückkehr zur Station. Interviews/Kurz-Gespräche mit

  • der Dame an den Toiletten, ursprünglich aus Litauen.
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  • den Gestaltern der Floristenhalle
  • zwei Gärtnern der Kolonie “Freizeit und Erholung”
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  • ein gescheitertes Gespräch mit dem Chef der Gartenkolonie, Herrn Gräf. Eine Tischrunde bei dem Eigentümer desselben Gartens, dessen Radio wir hier immer mithören. Eine bis zum Rand mit Misstrauen angefüllte Situation. An Fotografieren war nicht zu denken.
  • einem gastfreundlichen Ehepaar der Kolonie “Freizeit und Erholung”, das ausdrücklich nicht fotografiert werden wollte. Ursprünglich aus Schlesien, haben Herr und Frau Potempa ihren Garten seit 15 Jahren hier. Es enspann sich ein Gespräch über ihr Leben, gefolgt von einer Führung durch den Garten.
  • der Kassendame am Schalter “Quellgarten”, Frau Hammel. Mutter von 4, Großmutter von 5 Kindern, gelernte Zahntechnikerin, Scheidung, Schlaganfall und andere Unbillen wurden gemeistert. Am liebsten arbeitet sie im Kassenhaus am Haupteingang, da sei mehr los. Nun macht sie sich weniger Stress und dann, nach der Gartenschau, kommt “was eben so kommt”.
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Wetter: Sonnig, 36 – 40 Grad. Feuchtheiß. Kein Wind.

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11:00 Klein-Kahl gehört mit Schöllkrippen und Edelbach zum Kreis Aschaffenburg und hat eine Einwohnerzahl von etwa 400. Der Kahlgrund an sich ist eine Landschaft im nordwestlichen Spessart in Bayern und Hessen in Deutschland. Die Distanz zu Gießen beträgt knapp 100 km. Wir fahren durch weitgehend flache Agrarlandschaften bis am Ende der Reise die bewaldeten Höhenzüge des Spessarts sich aus dem Dunst lösen.

12:00 Ankunft in Klein-Kahl. Das Handkäsfest ist bereits am Ortseingang ausgeschildert. Eine Kiesstraße führt zum Festgelände: Bierbänke und Tische, ein großes Zelt mit weiteren Tischen und Bänken und einem Küchenbereich im vorderen Teil. HIer befinden sich eine Kasse, an der zunächst für den Handkäs gezahlt wird. Man bekommt eine Quittung für den Handkäs (4,80 Euro) und für den Teller/Brettchen-Pfand (2,50 Euro). Hinten im Zelt spielt eine Zweimannband in Lederhosen, Besetzung Gitarre, Akkordeon plus Playback, moderne Volkslieder mit teils anzüglichen Texten. Die Verquickung von Romantik und Sexuellem geht friedliche Wege: “Und wenn es dann passiert, schlaf ich in deinen Armen ein”. Es ist laut und weil es auch nicht regnet, sitzen die meisten Gäste draußen.

Das Handkäsfest ist traditionellerweise immer an Pfingsten und dauert 3 Tage. Unser Informant ist bereits “ein bisschen durch”.

Angeboten wird nebem dem Handkäs selbst gebackener Kuchen, regionaler Honig und das Brot aus dem Original-Lehmbackofen des Herrn Stengl. Und Apfelwein im Bembel, selbstverständlich.

12:40 Interview mit Frau Grass, die die Tradition des Festes im Namen ihres Vaters weiterführt. Das Fest besteht seit 22 Jahren, 95 % der Gäste kommen aus dem Umkreis und werden “auch schon mit Handschlag begrüßt”. Wir sprechen über die Herstellung des Handkäs’ und über die Bedeutung regionaler Produkte.

13:05 Interview mit Bernd Stengel, dem Bäckermeister, der für die zweitwichtigste Spezialität der Region verantwortlich ist: Das “Holzhackerbrot” aus reinem Roggennatursauerteig. Den Lehmofen hat er selbst gebaut, und auch das Holz für die Befeuerung wurde anfangs noch von ihm selbst gehackt. Mit seinen Produkten ist er auf drei Wochenmärkten, darunter auch der Wochenmarkt in Offenbach/Main, unterwegs. Auf die Frage nach einem Foto reagiert er professionell: Ein Brot wird aus dem Auto geholt, auf die Schaufel platziert und der Mann stellt sich in Positur.

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–> Die Original-Interviews werden auf dem Stream noch bereit gestellt.

14:00 auf dem Rückweg zum Haus des Informanten: Gartendekorationen. Im Falle des Vorgartens am Ortseingang Edelbach sind Pflanze und Dekoration nicht mehr klar unterscheidbar. Die beiden scheinen auf eine tautologische Art miteinander vertauscht. Eigenwillig auch: Spielzeugautos als Ausschmückung in Nähe der Gartenpforte bei einem anderen Garten. Kontrastierend: der Künstlergarten unseres Gastgebers mit selbst geschnitzter Skulptur in Verwilderung.  Figur und Gegenstand im Bild – ein Kajak – sind nicht inszeniert, sondern einfach “so gelassen worden”. Aspekte von Zeit und Verwitterung kommen ins Spiel, die gerade kein ständiges “Update” des Status quo verlangen.

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19:40 Entlang der E41, im Nirgendwo zwischen Daxberg, Schöllkrippen, Mömbris: Überraschende Pflanzarchitekturen einer dysfunktionalen Feuerwehrzufahrt (?) oder Sackgasse ins Land. Angesiedelt hat sich vorwiegend wilde Kamille.

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21:00 Speichern der Files, Editieren, Foto-Uploads. Mails.

Ca. 23 Uhr: Wolkenbruch. Ton-Aufnahme  Regen im Hof. Im Abziehen des Gewitters noch Wetterleuchten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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