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Porticulture. Photo: Sophea Lerner

Porticulture by Sophea Lerner

Datscha Radio ist eine temporäre Radiostation mit wechselnden Standorten und zugleich ein globales Gartenforschungsprojekt von Gabi Schaffner. Realisiert wird es in Zusammenarbeit mit internationalen AkteurInnen der Radiokunstszene und natürlich: den GärtnerInnen vor Ort!

Datscha Radio wurde 2012 von der Künstlerin Gabi Schaffner und dem Netz-Aktivisten und Radiomacher Pit Schultz in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstlerradio reboot.fm ins Leben gerufen. Im Jahr 2014 reiste das Projekt unter dem Titel „100 Tage Datscha Radio“ nach Gießen, wo es auf der dortigen Landesgartenschau Feldforschung zur deutschen Gartenkultur betrieb.

Datscha Radios Ansatz basiert auf ethnographischen und poetischen Praktiken, wobei das Radio und Klangkunst als Medien eingesetzt werden um Wissen auf künstlerische Weise zu sammeln und zu teilen. “Der Garten” fungiert als Metapher und Matrix für organisches Wachstum, Gemeinschaft und interkulturelle Teilhabe.

Als Blog dokumentiert Datscha Radio ökologische und gartenbezogene Themen, denen die Künstlerin im Verlauf ihrer Aktivitäten und Reisen begegnet: Interviews und fotografische Tagebücher, Essays und botanische Exkursionen. Als Mikro-Radiostation wird Datscha Radio 2017 erneut aktiv:

Detaillierte Informationen zum Programmschema sind hier zu finden, zu den beteiligten Gärtner*innen hier und Radiokünstler*innen hier.

Vom 25. – 29 August 2017 kehrt Datscha Radio an seinen Ursprungsort an der ehemaligen Grenze von Ost und West (der Mauerpfad verläuft nur 100 Meter entfernt) zurück. An fünf Tagen wird über die Intelligenz der Pflanzen, die Poesie des Gartens, Vertikale und urbane Gärten und die Symbiose von Fischen und Pflanzen diskutiert, werden Rasenmähersinfonien, Kuckucksrufe, Grashalmgeflüster und Bienendiskurse erklingen- 24 Stunden täglich auf datscharadio.de sowie zu ausgewählten Zeiten berlinweit auf UKW 88,4 MHz, in Potsdam auf 90,7 MHz.

Datscha Radio 17 wird realisiert von: Gabi Schaffner, Kate Donovan, Niki Makita, Helen Thein, Suki Shanti Osman und Verena Kuni.

Die Idee

Seit den späten 80er Jahren des 20. Jhs. ist der Garten immer stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt: ästhetisch, historisch und ökologisch. Als konkreter Ort kann der Garten unterschiedlichenste Gestalt annehmen, vom Zier- und Nutzgarten bis hin zum Schloss- oder Klostergarten. Angesiedelt zwischen Natur und Kultur, war der Garten von jeher ein Ort der Produktion für Kunst und Architektur, für Literatur und Musik.

Er ist ein Spiegel sozialer und politischer Sphären, und zugleich Sinnbild für ein entschwundenes Paradies jenseits der weltlichen Ordnungen. Als Modell für Wissenspflege und -organisation findet man „den Garten“ in der Biotechnik, als Prinzip sozialer Netzwerke in der Computerprogrammierung und in der Zukunftsforschung.

Doch das eigentliche Potential des Gartens liegt nicht in seiner Anwendbarkeit als Modell, das in andere Bereiche eingepasst wird. Es liegt in ihm selbst, in seinem Miteinander an Vielheiten, die einander abwechseln, sich ergänzen, und in ihrer Wandlungsfähigkeit immer neue Anknüpfungspunkte schaffen. Ein Garten ist nicht ein Ort, sondern viele Orte; nicht ein System, sondern viele Systeme.

Datscha Radio

Datscha Radio nimmt den Garten in all seiner Vielfalt als Grundlage und schöpft aus seinen Potentialen: direkt am Standort,  aus der Natur und ihren Gewächsen, aus dem Wissen der Gärtner und aus der unerschöpflichen Fülle der mit ihm verbunden Welten. Die Kombination von Garten und Radiotechnik rührt direkt an die Grenzen zwischen dem Realen und dem Imaginären, zwischen Materialität und Vision. 

Datscha Radio wohnt im Garten, arbeitet im Garten und sendet aus dem Garten. Zu Wort kommen: Gärtner und Gartennachbarn, Künstler (mit Themenschwerpunkten Garten/Natur), Zufallsgäste und Kuratoren. ­Und so wie ein guter Gärtner seine kostbarsten Pflanzen stets mit seinem Nachbarn teilt, kooperiert auch Datscha Radio im Austausch mit anderen, internationalen Radiostationen.

Berlin – Rosenthal

 Rosenthal, Kirche (Foto: Hasemuck 64)

Berlin ist die Stadt mit den meisten Schrebergärten Deutschlands und so bildet die (Klein-) Gartenkultur seit ihren Anfängen Ende des 19. Jh. einen wichtigen Teil der Kultur(en) Berlins. Der „Schrebergarten“ gewann seit den 90ern mehr und mehr an Aufmerksamkeit: als ökonomisches und ökologisches Modell, als soziokulturelles Feld und als urbaner Zufluchts- und Erholungsort.

Berlin ist zugleich eine der internationalsten Städte der Welt. Und die Gartenanlage “Einigkeit”, nördlich von Pankow im Stadtteil Rosenthal gelegen, ist mit knapp 1000 Parzellen eine der größten Berlins.
Die Adresse von Datscha Radio ist die Mönchmühler Str. 12, Parzelle 665 in der Garten- und Siedlergemeinschaft Einigkeit e. V..  Der Garten ist teils Nutz-, teils Ziergarten; die “Datscha” darauf hat etwa 60 qm (mit Wintergarten).

Weniger als 200 Meter von der 665 entfernt verlief bis 1989 die Mauer, die das ostdeutsche Rosenthal vom westlichen “Märkischen Viertel” trennte. Die Gartenanlagen der “Einigkeit” bestehen seit 1915.  Nach der Wende galten sie zunächst als  “Kleingartenanlage”, bald jedoch begann ein juristisches Tauziehen um ihren offiziellen Status, das bis heute anhält. Grund dafür ist die Größe der Parzellen (im Schnitt 600 qm) und ihre zum Teil recht großzügigige Bebauung, die den deutschen Kleingartenrichtlinien zuwiderlaufen.
2005 wurden den Kleingartenanlagen der “Einigkeit” ihr Status als “Klein”-gärten abgesprochen. So drohte zum einen ein “Rückbau” der Gärten auf “offizielles” Maß, zum anderen deren Umwandlung in Bauland. In unermüdlichen Verhandlungen mit der Stadt gelang es dem Verein “Einigkeit”, den aktuellen Status der Gartenanlage rechtlich als “Erholungsanlage” zu verankern… zumindest bis zum Jahr 2025.

Mit Datscha Radio gibt es eine weitere Stimme für den Erhalt der Gartenanlagen der “Einigkeit”.

 

2014: 100 Tage Datscha Radio

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Datscharadio forschte und sendete 100 Tage lang auf dem Gelände der Landesgartenschau zum Phänomen der deutschen Gartenkultur. Als Forschungs- und Sendestation diente ein umfunktionierter Caravan mit VEB-Charme. Anliegen der künstlerischen Forschungsmission war es, lokale Traditionen und Perspektiven des Gärtnerns zu erkunden und dabei unterschiedliche Dokumentationsformen einzusetzen. Im Verlauf der Recherchen entstand ein Archiv von ethnografischen Notizen, Fotografien, Protokollen, Gesprächen und O-Tönen. 

Statt diese Vielzahl an erhobenen Daten zu wissenschaftlicher Erkenntnis zu verarbeiten, wurden sie direkt über das Medium des Radios veröffentlicht. Ein sogenannter Audiokomposter “zersetzte” das Material zu einer sich kontinuierlich wandelnden Klanglandschaft. Der Prozess dieses „Kompostierens“ verfügbaren Wissens fand seine poetische Entgegnung im Wachstum der Pflanzen rund um die Caravan-Radiostation. Ein eintägiges Festival zur Zukunft der Gartenkultur im 21. Jahrhundert lud Gäste und Besucher im August zu weiteren Diskussionen und Beteiligungen ein.

Arbeitsgrafik Datscha Radio 14, Gabi Schaffner

 

2012 Datscharadio 
A Garden in The Air

 

Unterstützer und Förderer von Datscha Radio 2012:

Garten- und Siedlergemeinschaft Einigkeit e. V.

Amt für Weiterbildung und Kultur Pankow

Rindchen’s Weinkontor. Berlin – Charlottenburg

 

Die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis erforscht nachhaltige Lebensstile und neue Wohlstandsmodelle, fördert und vernetzt Offene Werkstätten, Interkulturelle und urbane Gemeinschaftsgärten sowie Initiativen zur nachhaltigen Gestaltung von Regionen.

Selbermachen ist das neue Kaufen. Teilen statt besitzen, Wertschätzung des Nahraums, Unabhängigkeit von globalen Konzernen und mehr Zeit für Wesentliches gilt als neuer Wohlstand.

 

 

 

 

 

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1 comment
  1. 100 Tage Datscharadio | Reboot.fm says: April 29, 201401:58

    […] mehr: http://datscharadio.de/ […]

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